Asatru Network Online-Stammtisch

Regelmäßiger Austausch war auch schon vor den Corona-Maßnahmen oft ein Thema. Denn neben den Entfernungen spielen natürlich auch die alltäglichen Rahmenbedingungen wie Arbeit, Familie, Mobilität, Verkehrsverbindungen usw. eine Rolle und führen oft dazu, dass zumindest kleinere Treffen auf der Strecke bleiben. Ein regelmäßiger persönlicher Austausch geht im routinierten Alltag dann schon mal unter. Aus jahrelanger Stammtisch-Erfahrung im heidnischen Bereich kann ich ein Lied davon singen. Anders die Jahreskreisfeste; ein echtes Blót ist durch nichts zu ersetzen. Das geht nicht online. Schon der Gedanken wirkt albern. Allerdings ist mir bei unseren bisher durchführten Online-Stammtischen noch ein weiterer positiver Nebeneffekt aufgefallen; wir sind viel stärker im Austausch, wissen mehr von den Dingen der anderen, was einen so im Alltag beschäftigt und darüber hinaus besprechen wir spezielle Themen, für die wir vor und nach unseren Blóts sonst nicht den Raum haben. Durch den online-Austausch rücken wir näher zusammen und das „entlastet“ sozusagen die persönlichen Treffen. Jeder kennt das; wenn man sich eine Zeit lang nicht gesehen hat, möchte man erst mal vieles loswerden oder von anderen wissen. Dies verlagert sich nun in den Online-Stammtisch.

Was machen wir genau?

Im Zuge der Corona-Maßnahmen konnten wir einige Treffen nicht so durchführen wie geplant. Daraufhin kam der Vorschlag, jeden Dienstag (oder Mittwoch) per Skype eine Videokonferenz anzusetzen. Also haben wir’s probiert und für gut befunden. In den Wochen drauf folgt nach einem aufwärmenden Dies & Das immer eine Buchvorstellung. Und eine lebhafte und interessante Diskussion schließt sich automatisch an, denn jeder hat so seine Erfahrungen im heidnischen Bereich.

Nächster Online-Stammtisch am Di. 19.1 oder Mi. 20.1.2021 um 20:00 Uhr

Nächster Stammtisch wird ein Themenabend. Es geht um die verschiedenen Edda Editionen, die unterschiedlichen Übersetzungen sowie deren Übersetzer und das Spannungsfeld zwischen klangvoller Nachdichtung oder möglichst wortgetreuer Übertragung aus dem Altnordischen. Simrock, Genzmer, Krause, Neckel, Häny, Jordan sind die bekanntesten. Aber auch Neményi  hat eine Gesamtreihe bestehend aus Jüngere Edda, Götter- und Heldenlieder – Altnordisch und deutsch herausgebracht. Und auch eher unbekanntere, nur noch antiquarisch erhältliche Exemplare, wie die prachtvolle Askanische Edda von Hugo Gering kommen ins Blickfeld.

An diese Diskussion knüpft sich dann die Frage, welchen Einfluss einzelne Strophen oder auch ganze Passagen auf ein Blót (bzw. den Ablauf) haben können. Ich freue mich darauf, das wird ein interessanter Abend.

Verschiedene Edda Ausgaben

Mitmachen… teilnehmen?

Wer jetzt interessiert aufhorcht, kann uns anschreiben. Neben einer Skype-Anmeldung und einer stabilen Internetverbindung (min. 10 MBit) wird für die Teilnahme an Online-Stammtisch ein Rechner benötigt. Aber auch via Smartphone oder Tablet ist eine Zuschaltung möglich. Die meisten Geräte haben ein eingebautes Mikrofon. Wenn das nicht der Fall ist empfiehlt sich ein externes Mikrofon. Diese bieten zudem eine deutlich bessere Audioqualität. Darüber hinaus wird eine Webcam benötigt, die gar nicht teuer sein muss. Viele Webcams haben auch bereits ein integriertes Mikro.

Gedanke und Erinnerung

Letzten Herbst war ich frühmorgens im Wald unterwegs. Kleine Wanderung, Atmosphäre aufnehmen, Geist öffnen und Gedanken klären und einfach…ja, die Ruhe des Waldes genießen. An einer besonderen Stelle brach der Ruf eines Raben in die Stille – und das war einer dieser Momente, die einem ganz besonders erscheinen, die sich deutlich aus der Alltäglichkeit herausheben und es für einen selbst unvergesslich machen. Ich notierte mir also ein paar Zeilen…

Blassblaue Wolken liegen über dem Wald. Von der Erde umliegender Felder hebt sich feiner Dunst und sättigt die frische Luft des warmen Vortages. Düster wirken die Laub- und Nadelbäume, wenn sie still und unbewegt in der hellen Landschaft emporragen. Die schwarze Erde der umliegenden Felder zu ihren Füßen.

In den Morgenstunden kurz nach Tagesanbruch wandere ich den Weg in den Wald. An einer Kreuzung begegne ich einem Reiter und ruhigen Trabes umfängt ihn auf seinem Pferd die Morgenstimmung. Wir grüßen uns flüchtig, während mich mein Weg weiter auf eine Lichtung führt. Gegen den hellen Himmel stehen in dunkelgrünem Kontrast die hohen Stämme. Langsam zeichnet sich weit oben eine schwarze Kontur ab, am Wolkengrau. Ein dunkler, näher kommender Punkt im Astwerk. Dann erkenne ich ihn, den Raben. Sein schwarzes Gefieder ist so herrlich anzusehen. Mitten in der Lichtung stehe ich und beobachte gebannt seinen Flug. Dann durchbricht der heisere Ruf die Stille und hallt an vielen Baumstämmen wider. Der Ruf eines zweiten Raben folgt etwas leiser in der Entfernung, während auch er sich nähert. Im Widerklang vereinen sich ihre Stimmen.

Ich erkenne, wie sie durch’s Geäst gleiten und sich im Baumwipfel niederlassen, unweit von mir entfernt. Dort werden sie für mich unsichtbar. Als ich weitergehe, erheben sie sich und kreisen über dem Wald. Wieder hallt ihr Rufen über mich hinweg in die Weite des Waldes. Immer wieder kann ich sie direkt über mir erkennen, als würden sie mir folgen. Doch nach und nach verebben ihre Laute während sie höher gleiten. Dann sind sie meiner Sicht entzogen. Kein Hinweis scheint mehr auf diese Begegnung hinzudeuten. Was bleibt sind Gedanke und Erinnerung. Funkelnde Strahlen dringen in der Höhe der Wipfel hervor und verlaufen sich auf dem feuchten Moos am Boden.

Buchbesprechungen Dezember 2020

Am 22.12.2020 haben wir mit den ersten Buchbesprechungen-/ vorstellungen via Skype begonnen. Dörthe stellt folgende Bücher vor:

Der alte Pfad und die Rauhnächte (Alexa Szeli)

Homepage von A. Szeli: www.taste-of-power.de

Ein schönes leichtes Beiwerk. Am Anfang fasst Szeli die wichtigsten Grundlagen der Mythologie zusammen, fokussiert sich stark auf den Frau Holle-Mythos, den sie mit Frigg gleichsetzt. Der zweite Teil konzentriert sich auf Meditationen und Selbstfindung zur Zeit der Rauhnächte, aber auch außerhalb dieser Zeit lesbar und inspirierend.

Wege zu den alten Götter (Vicky Gabriel und William Anderson)

Als Leitfaden zur Priesterschaft gedacht – lässt sich aber auch ohne diese Ambitionen sehr gut lesen. Starker Praxisbezug, wenn auch heidnisch übergreifend und ohne Schwerpunkt, so dass es für viele heidnische Strömungen geeignet ist. Gabriel und Anderson geben viele
Anstöße zur Selbstreflektion und Möglichkeiten selbst in Ritualgestaltungen zu finden.

Nordische Mythen und Sagen (Neil Gaiman)

Hervorragend geeignet für den Einstieg zu Göttersagen und Legenden. Bietet sich an parallel oder vor der Edda zu lesen und vereinfacht den Zugang deutlich für Unerfahrene und Jüngere. Aber auch, wenn man sich schon länger mit der Edda beschäftigt hat, zeigt Gaiman einen sehr angenehmen Erzählstil bekannte Geschichten der Götter zu erzählen. Man fühlt sich ans Lagerfeuer zurückversetzt.

Das Ritual (Victor Turner)

Turner analysiert auf Grund eines Forschungsprojekts die Rituale des afrikanischen Stammesvolkes der Ndembu, zieht Paralellen bis hin zu unserer heutigen Gesellschaft und definiert die Bedeutung von Ritualen für die Gesellschaft. Interessant vor allem der vielen Ähnlichkeiten von Ritualaufbauten zur heidnischen Gebräuchen und wie wir als Asatru unsere Rituale gestalten.

Das große Praxisbuch der Runen (Constanze Steinfeldt)

Hat weder was mit Asatru, noch mit Runen, wie wir sie verstehen zu tun.
Ist aber lustig (Ironie).

Persönliche Empfehlung: Die heidnische Reise – Jahreskreis 2021

Seit vielen Jahren, oder um genau zu sein seit 2013, bringt Dirk Zach den Kalender „Heidnische Reise“ heraus und liefert damit einen vielseitigen und kunstvoll bebilderten Begleiter durch den Jahreskreis. Angenehm empfinde ich dabei seine Beschreibungen, die immer ausgewogen den richtigen Ton treffen und sich nicht nur allein auf germanische und keltische Aspekte konzentrieren, sondern durchaus mal den einen oder anderen Blick über den gewohnten Tellerrand wagen. Denn wer kennt sie nicht… tunnelblickartige und belehrende Texte, oder die autoritär anmutenden Jahrweiser, von denen man nie so genau weiß, in welches Horn sie stoßen.

All dies ist bei Dirk Zach’s Heidnischer Reise erfrischend anders. Hier kann man guten Gewissens zugreifen oder den Kalender auch prima an Freunde verschenken. Naturfotografien bilden das tragende Element.

Heidnische Reise