30 Jahre Stilkams Asatru-Seiten (1994 – 2024)

Mit Höhen und Tiefen, wandelnden Vorstellungen und immer auch steter Entwicklung, neben Kontinuität und Unbeständigkeit sind es mittlerweile 30 Jahre Stilkams Asatru-Seiten!

Als 1994 die ersten simplen Seiten online gingen, begann die Geschichte von Stilkams Asatruseiten. Zum damaligen Zeitpunkt fand Asatru im deutschsprachigen Netz noch so gut wie gar nicht statt. Ab 2000 präsentierten sich die Seiten unter der Domain, unter der sie am bekanntesten wurden: Asatru-Online.de. Danach ging es über einige Namenswechsel von Ahnensitte.net, Alte-Sitte.de / AlteSitte.de schließlich zum heutigen Asentr.eu über. Im Jahr 2013 übernahm ich dann die Seiten von Stilkam, änderte sie in das heutige Format und betreibe und pflege sie seitdem unter dem Eigennamen: Asentr.eu – Stilkams Asatruseiten.

Ein würdiger und ehrenvoller Grundstein bleibt auf diese Weise nicht nur erhalten, sondern wird bis ins Heute getragen und hoffentlich noch weit darüber hinaus. Auch insofern interessant, weil es dem Naturell der eher empfindlichen und volatilen heidnischen Szene einen Gegenentwurf von Beständigkeit, Konstanz und Kontinuität präsentiert. Was im Übrigen ja auch im Kern unserer Mythologie steckt und unser aller Weltbild prägen sollte, dass entgegen aller Veränderung auch immer ein grundfester Quell die in sich ruhende Kraft spendet, viele Unerträglichkeiten und Zumutungen im Leben auszuhalten. Wenn der Wind die Oberfläche eines tiefen Wassers aufpeitscht, bleiben die Dinge in der Tiefe unverändert. So auch die Alte Sitte.

Nur eine Idee davon gibt Asentr.eu – alles weitere muss jeder für sich selbst ergründen. Und in der Praxis geht es nicht um das größtmögliche theoretische Wissen, sondern darum, den eigenen Weg zu finden, den Göttern, Ahnen und Wesen im Blót Ehre zu erweisen. Auf Asentr.eu findet man solides Basiswissen und daher beschreiben diese Seiten seit 1994, wie sowas aussehen kann.

www.asentr.eu – Die Geschichte der Seiten

Zeit der Disen

Wenn die Tage schwanken zwischen Frühlingshauch und bitterer Kälte, wenn man sich freut, dass die Tage langsam wieder länger werden und man denkt, dass einem die erste Frühlingssonne den Rücken wärmt, doch nachts wieder klirrender Frost Einzug hält, ja dann ist mit einiger Gewissheit die Zeit der Disen gekommen. Der Jahreslauf hat längst begonnen und der zweite Vollmond steht am Himmel. Im noch winterkalten Frühjahr, in der Zeit zwischen Jul und Ostara, beginnt das Disenblót.

Wenn sich Arvakr und Alsvidr aus der Morgenröte erheben,
um jeden Tag in aller Früh den Sonnenwagen der Sól
geschwind zu ziehen entlang der Himmelsbahn…
…folgt am Abend
Máni, Bruder der Sól
empor im vollen Lichte,
vor dem blauen Gewand,
in den Nächten des Winters,
der Zeit der heil’gen Disen!

Beim Disenblót (Februar Vollmond) dankt man den Disen und Wesen des Ortes für ihr schützendes und wohlwollendes Wirken in der persönlichen Umgebung. Disen sorgen sich um häuslichen Wohlstand und den Segen der Familie im Sinne von Glück, Gedeihen, Bewahrung und Schutz durch heilvolle Zuwendung. Man stellt ihnen kleine Opfergaben heraus wie zum Beispiel Honig, Butter, Nüsse, Äpfel oder anderes.

Honig, Butter, Apfel und Walnüsse aus eigener Ernte

Heil sei Euch heilige Disen!
Gabenspendende, Segen und Fülle Sendende.
Ihr beschützt und beschenkt
Unser Haus und Hof.
Und wirkt in Wald und Flur.
Frauen bringt ihr sichere Geburt,
lasst Kinder wachsen und wohl gedeihen.
Führt Männer heil heim aus Gefahr.

Heimatliche Disen!
Gebt uns Schutz und Segen.
Lasst Heim und Hof gedeihen.
Beschützt unsere Kinder und gebt ihnen
Ein glückliches und erfülltes Leben.
Gebt Heil unseren Sippen.

Sól og Maní – Begleiter im Jahreskreis

Sonne und Mond (Sól og Maní) begleiten uns im Jahreslauf. Sól ist der Mythologie nach eine der Asinnen. Ob Maní ebenfalls zu den Asen zählt, ist nicht ganz sicher. Ihre Wagen werden von Pferden über den Himmel gezogen, von Árvakr und Alsvidr. Dabei werden sie fortlaufend von Wölfen verfolgt, von Hati und Sköll. Eines fernen Tages holen sie Sól und Maní womöglich ein und Ragnarök bricht heran. Der Maler J.C. Dollmann hat diese Szene um 1900 in seinem Gemälde „The wolves pursuing Sol and Mani“ festgehalten.

Früher war man sich in den dunkelsten Nächten des Jahres wahrscheinlich nie ganz sicher, ob sich das große Rad des Jahres weiter dreht. Im Grunde hat sich daran rein gar nichts geändert, nur dass wir jetzt in moderneren Zeiten mit technischen Mitteln leben, die uns Gewissheit geben.

Ein Blót für ein gutes Jahr

Beim ersten Vollmond des Jahres haben wir ein Blót abgehalten, um den neuen Jahreslauf zu begrüßen und die waltenden Mächte um Glück, Gesundheit, Schutz und Erfolg anzurufen (Asentr.eu: til árs ok friðar). Im Mondkalender, der im Jahreskreis zu sehen ist, lassen sich die Mondphasen gut nachvollziehen.

Maní beginnt seinen neuen Lauf…
Durch Schalenlampen erleuchtet treten wir ins Innere unseres Steinheiligtums…
Hammer, Horn und Opfergaben stehen auf dem Stallr bereit, während mein Sohn und ich das Feuer auf dem Hörgr entzünden.
Ein wunderschönes winterliches Wechselspiel zwischen Mondlicht und Feuerschein.

Runen – Theorie und Praxis (Runenkunde, Runenmagie)

Es gibt inzwischen eine schier unüberschaubare Menge an Büchern zum Thema Runen jeder Couleur und Stilrichtung. Viele davon verschwinden ebenso schnell wieder wie sie aufgetaucht sind. Vielleicht auch besser so, denn manche sind entweder so oberflächlich, dass sich nicht mal ein Probelesen lohnt, oder sie weichen derart weit von einer ernstzunehmenden Betrachtungsweise ab, dass sich ebenfalls keine Leselust einstellen will. Jeder wird das kennen, jeder wird sich schon mal gehörig vergriffen haben. Doch immerhin geht man um eine Erfahrung reicher weiter seinen Weg.

Die Literaturauswahl, die für mich als interessierten (nicht wissenschaftlichen) Leser in Betracht kommt, kann ich in zwei Gruppen einteilen.

Angefangen bei den Standards  wie Arnulf Krause „Runen: Geschichte – Gebrauch – Bedeutung“ oder Klaus Düwels „Runenkunde“, ein schmales Bändchen, das frei von esoterischen Spekulationen ist. Hier bewegt man sich zunächst auf der Ebene wissenschaftlich fundierter und verständlicher Sachbücher. Sie geben als Grundlagenwerke das nötige Handwerkszeug, um für eine tiefergehende Beschäftigung gut ausgerüstet zu sein.

Hier schließt dann der zweite Schritt an, der von der bloßen Theorie in die Praxis führt. Und spätestens an diesem Punkt wird es wirklich schwierig, weil es ja nun darum geht, wie man die Runen nutzen und einsetzen kann, z.B. durch Runenlegen und/oder Befragen, zur Selbstreflexion/Retrospektive oder wie man ihre Kräfte z.B. in Form ihrer Heil- und Schutzwirkung nutzt und so weiter.

Das Anwendungsfeld ist breit, gewissermaßen fließend und nicht klar abgesteckt. Man kann dabei natürlich für sich selber die Entscheidung treffen, dort seine Grenze zu ziehen, wo Einflüsse definitiv außerhalb des germanisch/nordischen Horizonts liegen. Das sollte man auch tun bzw. grundsätzlich einmal überlegen, was einem wichtig ist und worauf es ankommt – allein schon deshalb um den eigenen Fokus festzulegen. Nicht alles spricht einen gleichermaßen an oder ist in der eigenen Lebenswelt überhaupt relevant.

Allerdings lässt sich einiges auch durchaus von vornherein ausschließen, wie z.B. das Armanenfuthark und alles an Material, was dieser Sphäre entspringt. Überhaupt kann ich von völkisch- oder rassenmystisch inspirierten Deutungen nur abraten. Der Kram ist sowas von überholt und sollte in der gegenwärtigen Zeit nun wirklich keine Rolle mehr spielen.

Alleinige Grundlage bilden die 24 Runen des sogenannten Älteren Futhark.

Heidnische Bücher über Runen

Im Bereich der heidnischen (deutschsprachigen) Bücher zur Runenkunde und Runenmagie sind aus meiner Sicht folgende empfehlenswert:

Freya Aswynn (Die Blätter von Yggdrasil), Igor Warneck (Ruf der Runen), von Neményi (Weisheit der Runen), Edred Thorsson*  (Handbuch der Runen-Magie)

* Thorsson (S.Flowers) ist umstritten, das weiß ich. Dennoch bietet sein Handbuch eine enorme Fülle an Informationen, die man mit Bedacht lesen sollte. Mich hat das auf meinem Weg weitergebracht. Leider ist das Buch vergriffen und nur noch gebraucht bzw. antiquar zu teils unglaublichen Preisen zu haben. Eine deutsche Neuauflage würde sich definitiv lohnen.

Heidnische Homepages über Runen

Auf Asentr.eu ist zum Thema Runen generell einiges zu finden: Einsteiger- und Literaturtipps oder Runen gesamt.

Eichenstamm.com bietet einen reichen Fundus, wissenschaftlich fundiert mit heidnischem Hintergrund: Eichenstamm – Runen

Runenkunde.de kenne ich nur übers Internet und hatte (zumindest bisher) noch keinen Kontakt. Diese Seiten bieten aber reichhaltige, und soweit ich das überblicken kann, solide Informationen: Runenkunde.de

An die interessierten Leser

Wer es bis hierher geschafft hat, wird vermutlich ein grundlegendes Interesse an Runen und an der praktischen Arbeit mit Runen haben. Und wahrscheinlich auch schon einige Erfahrungen gesammelt haben. Wer gute und ernstzunehmende Bücher empfehlen möchte, kann das gerne in die Kommentare schreiben (oder mir per Mail schreiben). Gerne auch mit einer kurzen Begründung. Gleiches gilt für Homepages. Darüber hinaus gab es früher, also vor ca. 10-15 Jahren, einige Gruppen die z.B. wie die Runengilde einige Treffen und Kontaktmöglichkeiten etc. organisiert haben. Das scheint es gar nicht mehr zu geben, zumindest sind mir keine mehr bekannt. Falls doch, dann bitte auch in die Kommentare. Vielen Dank.