Aktuelle Literatur: Runen und Natur von Thomas Höffgen

Passend zu meinen letzten Beiträgen über das verborgenes Volk, die Disen, Alfen und Landwichte und dem Themenschwerpunkt Geister und Wesen, mit dem ich mich gerade vorübergehend wieder mehr beschäftige, bin ich auf den Autor Thomas Höffgen aufmerksam gemacht worden. Ein langer Weggefährte, der zufällig ebenfalls Thomas heißt 😉 , hatte mich nämlich auf das Buch „Weißt du zu ritzen?“ hingewiesen und es mir zum Lesen bereitgestellt (danke Thomas).

Runenbücher gibt es ja wie Sand am Meer und genauso uninteressant sind eben auch die meisten. Und man muss schon einen eigenen Bezug hergestellt und sich vor allem ein soldies Grundwissen erarbeitet haben, um die wenigen brauchbaren Exemplare aus der Flut des Immergleichen und Unbrauchbaren herauszufiltern. Und wenn man dazu mit jemandem im Austausch ist, um Gedanken und Impulse, Sichtweisen und Einstellungen abzugleichen, ist das goldwert und alles andere als selbstverständlich. So habe ich mir also dieses Runenbuch zu Gemüte geführt und finde es persönlich tatsächlich ganz gut. Einige Kapitelüberschriften wirken auf mich etwas reißerisch z.B. „Wie man mit Runen zaubert“ oder „Trend und Tradition“, aber da will ich mich nicht an Oberflächlichkeiten festbeißen. Inhaltlich finde ich es interessant und gut geschrieben. Ich würde es insgesamt vielleicht eher in der Rubrik „Einsteigerbuch“ einordnen, allerdings auch im Kontext, dass wir uns hier in einem Asatru-Blog befinden, also in einem spezifischen Fachbereich bewegen, der per se schon einen höheren Bewertungsmaßstab ansetzt. Dabei belasse ich es an dieser Stelle erst mal. Eventuell gehe ich in einem späteren Beitrag noch mal detailliert auf das Runenbuch ein. Wer möchte kann aber gerne etwas in die Kommentare schreiben.

Thomas Höffgen: Weißt du zu ritzen? Die schamanischen Wurzeln unserer Runen & Nordische Naturgeister, Leben mit den Wesen des Waldes

Durch das Runenbuch bin ich jedenfalls auch auf die anderen Bücher von Thomas Höffgen gestoßen und finde den Zusammenhang seiner Bücher von Runen, Wald, Naturverbundenheit mit eigenen Interpretationen – sowie in meinen Worten vielleicht auch einem Hauch Naturmystik (im Sinne von tiefgreifender, körperlich-ganzheitlicher Verbundenheit mit der Natur, die als heilig empfunden wird) sehr spannend und ansprechend. Ich muss ja nicht extra hervorheben, dass sich wohl ein wesentlicher Anteil meiner Themen mit der Einbettung heidnischer Elemente in Natur und Wald beschäftigt und seit jeher ein innerer Drang sind. Jedenfalls scheint Thomas Höffgen dafür bekannt zu sein, alte Mythen und volkskundliches Wissen mit einer Prise Naturphilosophie zu verbinden. In seinem Buch „Nordische Naturgeister“ gibt er einen schönen Einblick in die unsichtbare Welt der nordisch-germanischen Mythologie.

Höffgen plädiert dafür, die Natur nicht nur als Ressource oder Kulisse zu betrachten, sondern als einen belebten Raum. Er beschreibt, wie unsere Vorfahren Steine, Bäume und Gewässer als Wohnsitze von Geistwesen sahen. Das Buch kategorisiert die verschiedenen Wesenheiten, die in der nordischen Überlieferung vorkommen. Dazu gehören unter anderem:
– Landvaettir (Landgeister): Die Hüter bestimmter Landstriche.
– Elfen und Alben: Licht- und Schwarzalben und ihre Bedeutung für die Fruchtbarkeit.
– Zwerge: Die Meister der Erztiefe und Handwerkskunst.
– Riesen (Jötunn): Die wilden, ungebändigten Kräfte der Ur-Natur.
– Hausgeister (Kobolde/Nissen): Die Verbundenheit zwischen Mensch, Heim und Hof.

Es zeigt auf, dass hinter jedem Baum und jedem Felsen eine Geschichte – oder eben ein Geist – stecken kann. Sein Schreibstil ist fundiert, aber dennoch poetisch und leicht zugänglich. Das finde ich wirklich angenehm und werde mir sicherlich auch noch weitere Bücher von ihm zulegen. Wer mehr erfahren möchte, findet auch Videos und Einträge im Internet.



Herbst

Noch vor kurzem schrieb ich von der „Vorernte“, der beginnenden Erntezeit. Das ist längst vorbei. Nerthus hat ihren Weg ins schützende Erdreich angetreten.

Davor liegen die Kräuter, die wir im Spätsommer und zu Beginn des Herbstes gesammelt und getrocknet haben. Zu sehen sind Elsbeere, Wildkirsche, Hagebutte, Eibe, Wacholder, Rainfarn, Beifuß, Spitzwegerich und Lavendel.

Die getrockneten Kräuter lassen sich leicht zerkleinern und zu einer Räuchermischung verarbeiten. Danach sieht’s dann so aus:

Sie symbolisieren damit auch ein stückweit das Pflanzenwachstum auf unserem Hof und erstrecken sich über die ganze Spanne des Jahreskreises vom Wiedererwachen über die Entfaltung – äußeres und inneres Wachstum – bis zum Rückzug, der sich ja gerade jetzt im Spätherbst gut erleben lässt. Drei Runen lassen sich damit gut in Verbindung bringen:

Die drei Herbst-Runen Raidho, Kenaz und Gebo

Raidho symbolisiert hier die vollendete Ordnung. Geordnete Bewegung und bekannter Rhythmus geben auch im übertragenen Sinn eine Wegbestimmung, ein „Bewegtwerden“ des Menschen im Jahres- wie auch im Lebenskreis.

Kenaz das Wissen, die Einsicht. Kenaz verkörpert die Notwendigkeit des Ausgleichs, Transformation, auch „inneres Feuer“, Lebenskraft und Leidenschaft.

Gebo steht für die Dualität zwischen Erdmutter (für die Wachstumskraft, die sich in der Ernte manifestiert hat) und Himmelsvater (für Sonne und Regen, die die Ernte gedeihen ließen). Gabe – Gegengabe – Austausch.

Runen – Theorie und Praxis (Runenkunde, Runenmagie)

Es gibt inzwischen eine schier unüberschaubare Menge an Büchern zum Thema Runen jeder Couleur und Stilrichtung. Viele davon verschwinden ebenso schnell wieder wie sie aufgetaucht sind. Vielleicht auch besser so, denn manche sind entweder so oberflächlich, dass sich nicht mal ein Probelesen lohnt, oder sie weichen derart weit von einer ernstzunehmenden Betrachtungsweise ab, dass sich ebenfalls keine Leselust einstellen will. Jeder wird das kennen, jeder wird sich schon mal gehörig vergriffen haben. Doch immerhin geht man um eine Erfahrung reicher weiter seinen Weg.

Die Literaturauswahl, die für mich als interessierten (nicht wissenschaftlichen) Leser in Betracht kommt, kann ich in zwei Gruppen einteilen.

Angefangen bei den Standards  wie Arnulf Krause „Runen: Geschichte – Gebrauch – Bedeutung“ oder Klaus Düwels „Runenkunde“, ein schmales Bändchen, das frei von esoterischen Spekulationen ist. Hier bewegt man sich zunächst auf der Ebene wissenschaftlich fundierter und verständlicher Sachbücher. Sie geben als Grundlagenwerke das nötige Handwerkszeug, um für eine tiefergehende Beschäftigung gut ausgerüstet zu sein.

Hier schließt dann der zweite Schritt an, der von der bloßen Theorie in die Praxis führt. Und spätestens an diesem Punkt wird es wirklich schwierig, weil es ja nun darum geht, wie man die Runen nutzen und einsetzen kann, z.B. durch Runenlegen und/oder Befragen, zur Selbstreflexion/Retrospektive oder wie man ihre Kräfte z.B. in Form ihrer Heil- und Schutzwirkung nutzt und so weiter.

Das Anwendungsfeld ist breit, gewissermaßen fließend und nicht klar abgesteckt. Man kann dabei natürlich für sich selber die Entscheidung treffen, dort seine Grenze zu ziehen, wo Einflüsse definitiv außerhalb des germanisch/nordischen Horizonts liegen. Das sollte man auch tun bzw. grundsätzlich einmal überlegen, was einem wichtig ist und worauf es ankommt – allein schon deshalb um den eigenen Fokus festzulegen. Nicht alles spricht einen gleichermaßen an oder ist in der eigenen Lebenswelt überhaupt relevant.

Allerdings lässt sich einiges auch durchaus von vornherein ausschließen, wie z.B. das Armanenfuthark und alles an Material, was dieser Sphäre entspringt. Überhaupt kann ich von völkisch- oder rassenmystisch inspirierten Deutungen nur abraten. Der Kram ist sowas von überholt und sollte in der gegenwärtigen Zeit nun wirklich keine Rolle mehr spielen.

Alleinige Grundlage bilden die 24 Runen des sogenannten Älteren Futhark.

Heidnische Bücher über Runen

Im Bereich der heidnischen (deutschsprachigen) Bücher zur Runenkunde und Runenmagie sind aus meiner Sicht folgende empfehlenswert:

Freya Aswynn (Die Blätter von Yggdrasil), Igor Warneck (Ruf der Runen), von Neményi (Weisheit der Runen), Edred Thorsson*  (Handbuch der Runen-Magie)

* Thorsson (S.Flowers) ist umstritten, das weiß ich. Dennoch bietet sein Handbuch eine enorme Fülle an Informationen, die man mit Bedacht lesen sollte. Mich hat das auf meinem Weg weitergebracht. Leider ist das Buch vergriffen und nur noch gebraucht bzw. antiquar zu teils unglaublichen Preisen zu haben. Eine deutsche Neuauflage würde sich definitiv lohnen.

Heidnische Homepages über Runen

Auf Asentr.eu ist zum Thema Runen generell einiges zu finden: Einsteiger- und Literaturtipps oder Runen gesamt.

Eichenstamm.com bietet einen reichen Fundus, wissenschaftlich fundiert mit heidnischem Hintergrund: Eichenstamm – Runen

Runenkunde.de kenne ich nur übers Internet und hatte (zumindest bisher) noch keinen Kontakt. Diese Seiten bieten aber reichhaltige, und soweit ich das überblicken kann, solide Informationen: Runenkunde.de

An die interessierten Leser

Wer es bis hierher geschafft hat, wird vermutlich ein grundlegendes Interesse an Runen und an der praktischen Arbeit mit Runen haben. Und wahrscheinlich auch schon einige Erfahrungen gesammelt haben. Wer gute und ernstzunehmende Bücher empfehlen möchte, kann das gerne in die Kommentare schreiben (oder mir per Mail schreiben). Gerne auch mit einer kurzen Begründung. Gleiches gilt für Homepages. Darüber hinaus gab es früher, also vor ca. 10-15 Jahren, einige Gruppen die z.B. wie die Runengilde einige Treffen und Kontaktmöglichkeiten etc. organisiert haben. Das scheint es gar nicht mehr zu geben, zumindest sind mir keine mehr bekannt. Falls doch, dann bitte auch in die Kommentare. Vielen Dank.