Herbst

Noch vor kurzem schrieb ich von der „Vorernte“, der beginnenden Erntezeit. Das ist längst vorbei. Nerthus hat ihren Weg ins schützende Erdreich angetreten.

Davor liegen die Kräuter, die wir im Spätsommer und zu Beginn des Herbstes gesammelt und getrocknet haben. Zu sehen sind Elsbeere, Wildkirsche, Hagebutte, Eibe, Wacholder, Rainfarn, Beifuß, Spitzwegerich und Lavendel.

Die getrockneten Kräuter lassen sich leicht zerkleinern und zu einer Räuchermischung verarbeiten. Danach sieht’s dann so aus:

Sie symbolisieren damit auch ein stückweit das Pflanzenwachstum auf unserem Hof und erstrecken sich über die ganze Spanne des Jahreskreises vom Wiedererwachen über die Entfaltung – äußeres und inneres Wachstum – bis zum Rückzug, der sich ja gerade jetzt im Spätherbst gut erleben lässt. Drei Runen lassen sich damit gut in Verbindung bringen:

Die drei Herbst-Runen Raidho, Kenaz und Gebo

Raidho symbolisiert hier die vollendete Ordnung. Geordnete Bewegung und bekannter Rhythmus geben auch im übertragenen Sinn eine Wegbestimmung, ein „Bewegtwerden“ des Menschen im Jahres- wie auch im Lebenskreis.

Kenaz das Wissen, die Einsicht. Kenaz verkörpert die Notwendigkeit des Ausgleichs, Transformation, auch „inneres Feuer“, Lebenskraft und Leidenschaft.

Gebo steht für die Dualität zwischen Erdmutter (für die Wachstumskraft, die sich in der Ernte manifestiert hat) und Himmelsvater (für Sonne und Regen, die die Ernte gedeihen ließen). Gabe – Gegengabe – Austausch.

Vorernte & Kräuterzeit

Die Zeit vor der Ernte ist längst angebrochen und zumindest bei uns im Nordosten geben Sonne, Himmel und Erde der Reife noch einen Moment, sofern nicht Hræsvelgr, der riesige Adler in den Weiten Yggdrasils, der mit seinen mächtigen Schwingen den Wind erzeugt, zu sehr an den Früchten zerrt.

Freyr schütze Wachstum und Ernte

Dann fällt natürlich noch das eine oder andere Exemplar zu Boden. Da jedoch auch Freyr für fruchtbarkeits- und wachstumsförderndes Wetter und guten Wind zuständig ist, möge er seinen Teil dazu beitragen. Was sich in unserem Naturgarten, aber auch an vielen anderen Stellen, sehr förderlich entwickelt, sind die vielen Kräuter der Sommerzeit. Schafgarbe, Rainfarn, Beifuss und Spitzwegerich sind überall zu entdecken, um nur mal einige zu nennen. Diese eigenen sich ausgezeichnet, um sie getrocknet als Grundbestandteil für eine wohltuende und duftende Räuchermischung zu verwenden.

Rainfarn ist eine robuste Pflanze, die fast überall vorkommt

Beim Durchstreifen unseres Gartens habe ich mir überlegt, dieses Jahr mal wieder so eine Räuchermischung herzustellen. Es ist ja nicht schwer, aber die letzten Jahre habe ich oftmals drauf verzichtet, weil wir noch so viel anderen Räucherkram im Schrank haben. Wie auch immer. Jedenfalls kommen noch hinzu: Wildkirsche (nicht Tollkirsche), Eibe, Efeu, Wacholder, Moos, Eiche, also mithin auch einige Bestandteile, mit denen es ratsam ist etwas vorsichtiger umzugehen.

Die Wildkirsche, auch Vogelkirsche oder Waldkirsche genannt, ist die Ausgangsform der meisten Süßkirsch-Kulturformen. Sie wächst bei uns von Natur aus im Garten und war sozusagen sogar vor uns hier.
Eibe
Wacholder

Über die Räuchermischung Naturgarten & Heiligtum schreibe ich noch in einem separaten Beitrag, welche Runen ich welchen Pflanzenpaaren zuordne. Beispielsweise sind Eibe und Efeu ja klassische Heiligtums-Pflanzen, sicherlich auch Hasel und Wacholder, oder Holunder, der allerdings auf unserem sandigen Boden leider nicht gekommen ist.

Sommergrüße

An einem dieser heißen Tage in der völligen Entfaltung der sommerlichen Sonne gingen wir einen schattigen, durch hohe Bäume geschützten Waldweg um einen See.

Und wie ich noch vor kurzem zur Sonnenwende von der guten Rune FEHU schrieb, wie sie zum jahreszeitlichen Höhepunkt die Fülle und Reife versinnbildlicht als ein Zeichen für gutes Werden und Wachsen, so richteten sich unsere Blicke empor auf die Äste vor uns:

Das Gute und Schöne liegt in der Welt, in unserer Welt Midgard, oft direkt vor unseren Augen. Lasst das Negative und Verwirrende einmal außen vor und geht mit wachen Augen durch Midgard. Es tut gut.

Ein Ausschnitt aus einer Isländer-Saga bleibt mir seit jeher in Erinnerung, weil sie so unterschiedliche Facetten hat und so ein kraftvolles Bild ist:

Die Saga von Brennu-Njáll
Am nächsten Morgen machte er sich in aller Frühe fertig, um zum Schiffe zu reiten – und allen auf dem Hof zu verkünden, daß er nun endgültig abreisen werde. Sie nehmen es schwer und haben Hoffnung, daß er eines Tages doch wieder heimkehren möge. Als Gunnar fertig war, verabschiedete er sich von jedem Einzelnen. Er rammte den Hauspieß in den Boden und stieg in den Sattel. Dann ritt er mit Kolskegg davon. Als er an den Markarfljót kam, strauchelte sein Pferd und er sprang vom Sattel. Gunnars Blick fiel zurück auf den Hof und auf die sanften Hänge – und er sagte: „Schön ist dieser Hang, aber so schön habe ich ihn noch nie gesehen, helle Felder und gemähte Wiesen. Ich werde nach Hause zurückreiten und nirgends hinfahren.“

In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne Sommerzeit. Lasst eure Blicke ruhig in die Ferne gleiten, aber besinnt euch auch auf das Gute und Schöne zu Hause.

Sommergrüße

Wurzeln des Monotheismus – neue Hinweise?

Die religionshistorische Entwicklung vom Polytheismus hin zum Monotheismus (ein Gott) führten nicht nur in der Antike zu erheblichen Spannungen, sondern haben das Weltbild weit über ihr Ursprungsgebiet hinaus bis nach Europa nachhaltig geprägt. Der Ägyptologe Ludwig Morenz von der Universität Bonn fand nun neue Hinweise im Südwesten des Sinai, die auf eine kulturelle Entwicklung hindeuten: In Inschriften auf dem Hochplateau von Serabit el Chadim aus der Zeit ab etwa 1900 v.u.Z. sei erkennbar, dass die damalige Götterwelt drastisch reduziert worden ist, bis am Ende nur noch ein männlicher Gott „El“ und die weibliche Gottheit „Bacalat“ übrig blieben. Für Morenz war dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Monotheismus. Somit könnte „El“ das früheste Vorbild für den Glauben an nur einen einzigen Gott sein in den monotheistischen Religionen des Nahen und Mittleren Ostens. (Archäologie Online vom 23. Juni 2024)

https://www.archaeologie-online.de