{"id":563,"date":"2021-02-05T20:26:00","date_gmt":"2021-02-05T19:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.asatru.network\/?p=563"},"modified":"2021-08-07T07:07:55","modified_gmt":"2021-08-07T05:07:55","slug":"gungnirs-blot-wanderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.asatru.network\/?p=563","title":{"rendered":"Gungnirs Bl\u00f3t-Wanderung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Gew\u00f6hnlich ist er ein fremder alter Wanderer. Wenn er hier in Midgard unterwegs ist, erscheint er oft als alter Mann mit langem grauem Bart. Er tr\u00e4gt einen breitkrempigen, tief ins Gesicht gezogenen Hut und einen weiten Reisemantel. Der \u201eGraubart\u201c, der \u201eWanderer\u201c sind nur die beliebtesten seiner Erscheinungen. Er ist ein Meister der Verwandlung, wie sein h\u00e4ufiger Beiname <em>Grimr <\/em>besagt. Und sicherlich hat er seine Freude daran, sich unters Menschenvolk zu mischen und den einen oder anderen zu t\u00e4uschen. Aber das fehlende Auge ist sein gleichbleibendes Merkmal und kein Teil seiner Verwandlung. Mehr schlecht als recht vermag er es unter seinem Hut zu verbergen. Und wenn man sein Gesicht fl\u00fcchtig zu sehen bekommt, dann wei\u00df man mit wem man spricht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Eidring-Skizze-mit-Speer.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-235\" width=\"243\" height=\"374\" srcset=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Eidring-Skizze-mit-Speer.png 485w, https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Eidring-Skizze-mit-Speer-195x300.png 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 243px) 100vw, 243px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Was hat es nun auf sich mit diesem geheimnisvollen M\u00e4nnerbund?<\/strong> In diesem Atemzug muss ich vorweg nehmen, dass es sich \u00fcberhaupt nicht um etwas Geheimes oder Verschworenes handelt. Abseits der gemeinsamen Feste mit Kinderl\u00e4rm, Spielen und Hornrunden am Feuer ist der Gedanke entstanden, sich in einigen wenigen Momenten im Jahr nicht nur der Waldeinsamkeit zu widmen, sondern hier auch Gespr\u00e4chsthemen in den Mittelpunkt zu stellen, die den Fokus auf Odin in all seinen Aspekten richten. Und Odin ist unumstritten in seinem Habitus eine m\u00e4nnliche Erscheinung, in der Initiation, Mysterium,&nbsp; Selbst\u00fcberwindung, Kraft, Loslassen, Festhalten, Klarheit, Entschlossenheit, Zielrichtung,&nbsp; Kampf (auch im Sinne von Erfolg, beruflichen Zielen, Wohlstand und Sicherheit f\u00fcr die Familie) eine erhebliche Rolle spielen. Also in dem Spektrum, in dem wir als Mann im Leben wirksam werden und ins Geschehen treten, wo Durchsetzungsverm\u00f6gen, Ausdauer und Aushalten von Widrigkeiten gefragt sind. Aus dieser Themenlage entstehen neue Ideen, die sich dann oft auch bewusst oder unbewusst auf die Ritualisitik des Bl\u00f3ts auswirken.<\/p>\n<p>In der Praxis stehen vor uns Wanderungen von 10 bis 15 Km (oder auch mehr), f\u00fcr die wir uns bewusst die Auszeit eines ganzen Tages nehmen. W\u00e4hrend dieser Wanderung f\u00fchren wir nicht nur ein Bl\u00f3t aus, sondern mehrere. In der ersten Phase so eines Tages tauschen wir uns \u00fcber allt\u00e4gliche Themen, Sorgen, Ideen aus und streifen damit Schritt f\u00fcr Schritt das Profane von uns ab. Bis all das besprochen und ausgesprochen ist, was uns wie ein Alb die Schultern schwer macht. Denn dann kommen wir zur Einkehr und zum Hauptbl\u00f3t.<\/p>\n<p>Daniel und ich (Ingmar) haben im Mai 2020 zum Sigrbl\u00f3t damit begonnen und f\u00fchren dieses Format fort. Jeder Mann aus unserem Kreis, der ein gutes heidnisches Thema oder eine Idee einbringt und bereit ist, seinen Geist zu \u00f6ffnen ist eingeladen. Und nat\u00fcrlich f\u00fchren wir solcherart Bl\u00f3t-Wanderungen auch gemeinsam mit Frauen und Familie durch, das ist selbstverst\u00e4ndlich. Doch der Geist dieser Wanderung wird ein anderer sein, vielleicht milder, vielleicht weniger auf Odin gerichtet. Wir wissen es nicht, wir lassen uns leiten!<\/p>\n<p>Doch in Zeiten der Beliebigkeit, des Kulturwandels t\u00e4uschen weiche Umgangsformen nur \u00fcber die H\u00e4rten der Realit\u00e4t hinweg \u2013 und weil wir dies wissen, ist ein M\u00e4nnerbund auch ein&nbsp; Zeichen. \u00dcbrigens l\u00e4sst sich so eine Bl\u00f3t-Wanderung auch als Initiation oder Jugendleite verwenden. Wenn ein Jugendlicher&nbsp; im Kreis der M\u00e4nner zum Beispiel einen Tag und eine Nacht (oder l\u00e4nger) und freier Natur verbringt und Aufgaben bestehen muss, w\u00e4re das vom Standpunkt der Alten Sitte aus gesehen eine w\u00fcrdige Erfahrung an der Schwelle zur Mannwerdung.<\/p>\n<p>Den Speer als Grundstein haben wir hiermit gelegt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sigrbl\u00f3t im Mai 2020<\/h2>\n\n\n\n<p>Blauer Himmel, dunkler Wald am Horizont. So l\u00e4sst sich die Mecklenburger Waldeinsamkeit in wenigen Worten zusammenfassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20200510-WA0011_NEU-1024x737.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-572\" width=\"600\" height=\"553\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Im Kontrast zwischen eilenden Wolken und Erde schl\u00e4ngelt sich ein Feldweg durch die weiten Felder, welche so pr\u00e4gend sind f\u00fcr diese Landschaft. Schritt f\u00fcr Schritt kommt der Wald n\u00e4her und dies sind im Grunde die ersten Momente, aus der eigenen Welt herauszutreten. Mit Alltagsflucht hat das nichts zu tun, das ist wichtig zu verstehen. Bestenfalls lie\u00dfe es sich wahrscheinlich mit der Fokussierung auf den Zustand beschreiben, den man bei l\u00e4ngeren Wanderungen erreicht; das Abstreifen unn\u00f6tiger Gedanken. Und wenn man sich ganz auf ein Bl\u00f3t einlassen will, dann braucht man Ungest\u00f6rtheit. Hier gleichen wir mehr und mehr dem Wanderer, der unsichtbar neben uns, oder auch vor uns l\u00e4uft. Und ihm ist das Bl\u00f3t gewidmet&#8230; bzw. die vielen, die in den verschiedenen Abschnitten der Wanderung eingebettet sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20200510-WA0013_NEU-819x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-573\" width=\"600\" height=\"768\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/20200509_150619_NEU-743x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-569\" width=\"600\" height=\"768\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Wanderung ist eine tagesf\u00fcllende Aufgabe. Wobei &#8222;Aufgabe&#8220; sehr nach Arbeit oder Anstrengung klingt. Darum geht es nat\u00fcrlich nicht. Zwischendurch haben Daniel und ich an sch\u00f6nen Pl\u00e4tzen im Wald immer wieder mal pausiert, Brot und K\u00e4se gegessen. In den sp\u00e4ten Nachmittagsstunden waren wir dann zur\u00fcck und die zur\u00fcckgelegte Strecke merkt man schon in den Beinen, aber nicht im Sinne einer k\u00f6rperlichen Verausgabung. Das ist auch nicht Sinn der Sache. Ich f\u00fchle mich nach solchen Waldg\u00e4ngen gekl\u00e4rt, sortiert und vor allem inspiriert. Den Abend lassen wir mit unserem Haupt-Bl\u00f3t, dem Sigrbl\u00f3t, ausklingen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20200509-WA0000_NEU-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-571\" width=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20200509-WA0000_NEU-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20200509-WA0000_NEU-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20200509-WA0000_NEU.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20200508-WA0009_NEU-762x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-570\" width=\"600\" height=\"768\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Winterbl\u00f3t Anfang 2021<\/h2>\n\n\n\n<p>Anfang des Jahres setzten Daniel und ich unsere Wanderstiefel auf den winterkalten Grund&nbsp; des Sachsenwaldes in der N\u00e4he von Aum\u00fchle bei Hamburg.&nbsp; Erste Anlaufstelle sind auf dieser Ecke die m\u00e4chtigen Steinformationen aus der uralten Megalithzeit. Die steinernen Zeugen unter Moos und Farn reichen derart weit zur\u00fcck, dass sie \u00fcber die normalerweise vorhandene R\u00fcckbindung an germanische Elemente (Horn, Runen und verschiedene andere Ritualgegenst\u00e4nde) kaum fassbare Ankn\u00fcpfungspunkte in die Vorzeit geben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_1481_NEU-1024x678.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-574\" width=\"600\" height=\"339\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nachdem wir danach ganze Heerscharen an Gro\u00dfstadtpilgern, die es wochenends zu Erholungszwecken gen Aum\u00fchle treibt, hinter uns lie\u00dfen, kamen wir den wilderen und verlassenen Bereichen des Waldes n\u00e4her. Daniel zeigte mir eine wundersch\u00f6ne Stelle, die in einer leichten Vertiefung lag &#8211; vollst\u00e4ndig in Moos geh\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20210102-WA0022-827x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-577\" width=\"620\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20210102-WA0022-827x1024.jpg 827w, https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20210102-WA0022-242x300.jpg 242w, https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20210102-WA0022-768x951.jpg 768w, https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG-20210102-WA0022.jpg 969w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Hier lauschte ich den Edda-Versen, die Daniel in die kalte Winterluft rezitierte &#8211; und ich folgte dem Bl\u00f3t, bis ein kurzer Moment der Stille doch tats\u00e4chlich vom Ruf eines Rabens durchbrochen wurde. Solche Stimmungen pr\u00e4gen sich ein. Auf dem R\u00fcckweg mussten wir dann steten Schrittes bleiben, weil die D\u00e4mmerung fr\u00fch einkehrte und es schnell dunkel wurde. So trafen wir zum Beispiel noch auf der H\u00e4lfte des Weges ein Ehepaar, das sich ebenfalls die Wanderschuhe umgeschnallt hatte und sich ganz und gar zur Navigation auf&#8217;s Handy verlie\u00df. Als uns die verunsicherte Frau sicherheitshalber nach dem Weg fragte, wurde schnell klar, dass sie vollkommen falsch gingen. Sie hatten den entgegengesetzten Weg direkt in den dunkelwerdenden und inzwischen menschenleeren Wald eingeschlagen. In der Dunkelheit w\u00e4ren sie auf sich gestellt. Das eh schon beinah nutzlose Handy w\u00e4re dann wahrscheinlich leer gewesen.\u00a0 Solche Ereignisse f\u00fchren unmittelbar vor Augen, dass sich die Natur in unserer hochtechnisierten und modernen Welt, in der sich fast alles sicher w\u00e4hnt, nicht planen l\u00e4sst; noch weniger der pl\u00f6tzliche Zugriff der G\u00f6tter. Tage-, wochen- und monatelang ist man der abstumpfenden Profanit\u00e4t des Alltags ausgeliefert, und wer nun glaubt, dass g\u00f6ttliches Walten &amp; Wirken nicht existent sei in der modernen Welt, der st\u00f6\u00dft unvermittelt im n\u00e4chsten Moment auf eine Sequenz in seinem Leben, wo ein Wimpernschlag dar\u00fcber entscheidet, ob es weitergeht oder an diesem Punkt endet.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_1494_NEU-745x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-576\" width=\"600\" height=\"768\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.asatru.network\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/IMG_1486_NEU-720x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-575\" width=\"600\" height=\"768\"\/><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gew\u00f6hnlich ist er ein fremder alter Wanderer. 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